1914 – 1930: Wachstum mit Gegenwind

 
Der erste Weltkrieg erschwerte die wirtschaftlichen Abläufe auch bei Konsum Berlin. So musste der Fuhrpark zehn von 19 motorisierten Fahrzeugen an die Heeresverwaltung abgeben. Weit tiefgreifendere Auswirkungen hatte der Krieg auf die Versorgung mit Lebensmitteln: Engpässe trieben die Preise in die Höhe und Wucher griff um sich. Für die Konsumgenossenschaft Berlin stand nicht der Gewinn im Vordergrund, sondern die Absicherung der Volksernährung. Als „Organisation zur Versorgung mit Lebensmitteln“ setzte sie sich für erschwingliche Preise ein.
 
 
 
Seit Juli 1927 wurden im Kinder-Erholungsheim Sperenberg Kinder zwischen 8 und 14 Jahren jeweils für 28 Tage aufgenommen. Laut Geschäftsbericht betrug die Gewichtszunahme „im Durchschnitt je Kind 3,9 Pfund”.
 
Die Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg erreichte 1923 ihren Höhepunkt. Bei der Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend betrug ein Geschäftsanteil im November 250 Milliarden Mark – ein Goldwert von 25 Pfennigen. Schon ein Jahr später begann ein deutlicher Aufschwung: Die Umsätze der Genossenschaft stiegen, in den Folgejahren wurden Grundstücke zugekauft, neue Abgabestellen eröffnet und das Gut Sperenberg als Kindererholungsheim erworben. Zur Unterstützung erwerbsloser Mitglieder stellte die Konsumgenossenschaft Berlin im Jahr 1927 aus Überschüssen 60.000 Mark bereit.
 
Im Geschäftsjahr 1928/29 steigerte die Genossenschaft ihren Umsatz auf fast 70 Millionen Reichsmark und mehr als verdoppelte ihn damit innerhalb von vier Jahren. Das Eigenkapital stieg auf fast sechs Millionen Reichsmark bei einem Bestand von etwa 170.000 Mitgliedern. Wegen ihres beispiellosen Erfolgs machten sich Konsumgenossenschaften nicht nur Freunde: bekämpft durch Teile der Privatwirtschaft und vom Staat steuerlich ungerecht behandelt mussten sie sich gegen starke Widerstände behaupten. Im folgenden Jahrzehnt aber wuchs sich der Gegenwind der 20er Jahre zu einem gewaltigen Gegensturm aus…