1990 – 2003: Schwere Schritte in die Martkwirtschaft

 
Im Januar 1990 löste sich Konsum Berlin aus dem System der staatlichen Planwirtschaft und erfuhr einen dramatischen Eintritt in die Wirtschafts- und Währungsunion: Faktisch über Nacht brach der Umsatz der Genossenschaft um die Hälfte ein. Den Einbußen standen hohe Personal- und Sachkosten gegenüber.
Einer der von der ersten Vertreterversammlung am 24. November 1990 gefassten Beschlüsse betraf die Namensgebung der Genossenschaft. Sie erhielt wieder ihren historischen Namen „Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend eG“.
 
 
 
 
 
Abschied von einem Stück Alltagskultur: Das letzte Konsum-Markenklebeheft 1990.
 
 
 
1991 erschwerten fehlende Logistik und zunehmende Konkurrenz die Marktposition, als Folge trennte sich Konsum Berlin von der überwiegenden Zahl der Verkaufsstellen, vom Gaststättenbetrieb, den eigenen Produktionsbetrieben und von rund 7.000 Mitarbeitern. Im Jahr darauf gab Konsum Berlin die traditionelle Handelstätigkeit gänzlich auf, die letzte Verkaufsstelle schloss am 18. September 1992. Künftiger Schwerpunkt der Geschäftstätigkeit sollten die Vermietung und Entwicklung eigener Immobilien werden. Der zwischenzeitliche Versuch, über den Kauf des Westberliner Lebensmittelhändlers Bolle in der neuen Handelslandschaft Fuß zu fassen misslang und Konsum Berlin trennte sich zügig wieder von "Bolle".
 
 
 
Unterwegs mit Konsum Berlin: 1998 eröffnete Filiale des Reisebüros K-Tours im Köpenicker Allende-Center. 
 
 
1994 verzeichnete Konsum Berlin erstmals wieder Gewinn, die Mitglieder erhielten auf ihre Geschäftsguthaben eine Dividende von sechs Prozent. Die Genossenschaft erwarb Grund und Boden nach dem Sachenrechtsbereinigungsgesetz und vermietete Objekte an große Einzelhandelsunternehmen. Es wurden Wohn- und Geschäftshäuser, Stadtvillen und Einkaufszentren gebaut. Darüber hinaus wurde ein Teil der Bestandsimmobilien modernisiert. Konsum Berlin betrieb das eigene Reisebüro K-Tours und begann 1996, das Bonus-Heft an seine Mitglieder herauszugeben, über das sie vergünstigte Angebote zahlreicher Partnerunternehmen in Anspruch nehmen konnten.
 
Die in den 90er Jahren eingeschlagene Richtung war insgesamt jedoch nicht von Erfolg gekrönt und Konsum Berlin war im Jahr 2003 gezwungen, Insolvenz anzumelden. Im Zuge des Insolvenzverfahrens mussten die Geschäftsguthaben der Mitglieder mit Verbindlichkeiten verrechnet und vollständig auf null Euro abgeschrieben werden. Während der überwiegende Anteil der damaligen Mitglieder, nämlich 87 Prozent, bis zu zwei Geschäftsanteile à 25 Euro an der Genossenschaft hielt, traf die vollständige Abschreibung der Guthaben die rund 1,8 Prozent der Mitglieder, die 200 und mehr Geschäftsanteile gezeichnet hatten, ganz besonders hart.